Sonntag, 19. Dezember 2010

Menschen 2. Klasse im Wagen 1. Klasse

Man erfährt viel ... wenn man Zug fährt.
Über ein Jahr fuhr ich täglich von Thun nach Zürich und zurück. 3h 18min im Zug und das von Montag bis Freitag. Auf den 1. Dezember arbeite ich nun wieder in Bern. Im Rahmen meiner Einführung begleite ich Unterhalts- und Montageteams in der ganzen Schweiz und trage dabei dafür die geeignete Kleidung sprich Überkleider. Damit bin ich in der 1. Klasse automatisch zum Aussenseiter geworden.

Kleider machen Leute...
...was aber nicht für deren Charakter gilt. Die Blicke welche mir zugeworfen wurden als ich mit Überhosen, Sicherheitsschuhen und Winterkleidung zwischen den Managertypen in ihren Einheitsanzügen sass sprachen Bände. Leider (oder vielleicht besser) kann ich keine Gedanken lesen: "Was hat dieser "Büetzer hier verloren? Weiss der nicht, dass hier die 1. Klasse(Menschen) sind? Hoffentlich stinkt er nicht auch noch... so oder ähnlich könnte es durchaus durch die gestressten Managerhirne geschwirrt sein.

Vor Gott sind alle Menschen gleich...
...was aber nicht hier auf der Erde und vor allem nicht in Bahnwagen die der Elite des Landes vorbehalten sind gilt. Projekte, Benchmarks, Soundingboard, Präsentation, Geld im Betrag von CHF 10'000 und höher sind die beherrschenden Themen. Dazwischen immer wieder persönliches, zum grössten Teil abschätzig und überheblich formuliert, dass man sich als Normalverdienender in einem Hollywoodstreifen meint und plötzlich realisiert, dass es die Wirklichkeit ist.

Die wahren Helden unseres Landes...
...sind für mich Arbeiter, Handwerker, Verkäuferinnen, Reinigungspersonal, alles Menschen die der sogenannten Oberschicht ermöglichen ihr behagliches Leben zu führen. Menschen die Mo - Fr und je nach Beruf auch am Wochenende arbeiten um ihrer Familie ein bescheidenes Leben zu ermöglichen. Nein, ich bin kein Kommunist aber ein bisschen mehr Respekt und Anerkennung der Menschen die meinen zur 1. Klasse zu gehören wäre angebracht.




Ei ein iPhone

Sonntag, 5. Dezember 2010

Werbung schafft soziale Probleme

Werbung schafft soziale Probleme...
...pausenlos wird uns eingeredet, dass wir nur leben können, wenn wir das Produkt A oder B verwenden. Unsere Kinder werden ausgegrenzt, wenn sie nicht die Kleidermarken tragen die im Moment gerade angesagt sind. Fernsehen kann man nur mit dem flachsten Flachbildschirm der neusten Generation.

Wir können uns das oft nicht leisten...
...möchten es aber haben, weil bereits in ein paar Wochen/Monaten etwas anderes im Trend ist. Wir beschaffen uns Dinge, die wir uns nicht leisten können - aber das ist alles kein Problem. Kaufe Heute bezahle nächstes Jahr. Einen Computer auf Kredit für nur CHF 50.00 pro Monat, das kann ich mir doch leisten (Laufzeit 4 Jahre, Zins um die 15%). in 4 Jahren läuft aber das neuste Betriebssystem (mit Ausnahme vielleicht von Applecomputern) nicht mehr auf dem PC.

Unser ganzes System ist auf Pump...
...aufgebaut. Selbst Staaten, ja die Welt ist keine Ausnahme. Es funktioniert nichts mehr ohne Kredite. Im Gegensatz zu uns einfachen Arbeitern können es sich die Staaten (im Moment noch) leisten auf Pump zu leben. Doch unsere Schulden müssen irgendwann mal alle bezahlt werden. An die Reihe kommt aber der kleine Mann und die kleine Frau an erster Stelle. Schulden lösen sich nicht einfach in Luft auf. Wenn nicht diese, dann muss ganz bestimmt die nächste Generation die Altlasten welche sie von ihren Eltern erhalten haben, abtragen.

Früher war alles besser...
...nein, nicht besser aber anders. Die Menschen lebten und bewegten sich in einem kleineren Umfeld. Ein Fabrikarbeiter lebte in einer Siedlung, die von seinem Arbeitgeber erbaut wurde. Seine Freizeit verbrachte er meistens im Dorf (Turnverein, Kegelclub etc.). Ferienziele waren häufig die Schweiz, ausnahmsweise die Nachbarländer und äusserst selten Europa. Ich behaupte mal, die Menschen waren zufriedener...

Wir leben in einer globalen Welt...
...was jetzt in Nordkorea passiert sehen wir ein paar Sekunden später bei uns zu Hause auf dem Internet. Wir geben uns nicht mehr mit den lokalen Produkten zufrieden, denn wir sehen täglich im TV mit was für wunderbaren Dingen wir unser Leben noch einfacher und schöner gestalten können.

War das schon immer so...
...frage ich mich? Wurden unsere Eltern im gleichen Masse pausenlos zum kaufen von Dingen verführt die sie sich A nicht leisten können und B zum leben nicht zwingend benötigen? Das ist unsere Gesellschaft und unsere Zeit... dieser Meinung bin ich auch aber von diesem Standpunkt sehe ich die Globalisierung eher als negativ an.

Werbung und Kredite...
...sollten meiner Meinung nach drastisch eingeschränkt werden. Sie schaffen ebenso grosse Probleme wie Alkohol, Tabak und Drogen.

Auch ich bin ein Teil...
...des Systems als Täter und Opfer. Diesen Post habe ich auch für mich geschrieben. Ich zeige hier mit dem Finger auch auf mich selber.



Ei ein iPhone